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Sewol
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Die Sewol (kor. 섞월혞) war ein sĂŒdkoreanisches RoPax-FĂ€hrschiff der Chonghaejin Marine Company, das ab MĂ€rz 2013 zwischen Incheon und der Insel Jejudo im Einsatz stand. Zuvor fuhr die 1994 fertiggestellte FĂ€hre bis 2012 als Ferry Naminoue fĂŒr die japanische Reederei A-Line Ferry.

Am 16. April 2014 kenterte die Sewol auf ihrem Weg von Incheon nach Jejudo auf Höhe der Insel Jindo im Gelben Meer. 172 der 476 Menschen an Bord ĂŒberlebten das UnglĂŒck; 187 Menschen wurden bereits unmittelbar nach dem Untergang tot geborgen. Insgesamt kamen 304 Menschen ums Leben, darunter 250 SchĂŒler zwischen 15 und 18 Jahren. 5 Todesopfer wurden auch nach der Bergung und Durchsuchung des Schiffes nicht gefunden.

Im MĂ€rz 2017 wurde das Wrack der Sewol gehoben und nach Mokpo ĂŒberfĂŒhrt. Es soll dauerhaft erhalten bleiben.

Contents

‱ Geschichte
‱ Untergang
‱ Bergung
‱ Festnahmen
‱ Verfahren
‱ Filme
‱ Musik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Das Schiff wurde 1994 unter dem Namen Ferry Naminoue (jap. フェăƒȘăƒŒăȘみぼうえ, FerÄ« Naminoue) als Baunummer 1006 von der Werft Hayashikane in Nagasaki fĂŒr die FĂ€hrreederei Ìshima Un’yu (engl. Oshima Transportation; seit 2005: Maru A Ferry, engl. A-Line Ferry) in Kagoshima gebaut und am 21. Juni des Jahres an den Auftraggeber abgeliefert. Die Ferry Naminoue stand auf der Linie von Kagoshima nach Amami-Ìshima, Tokunoshima, Okinoerabu-jima, Yoronjima, Motobu auf Okinawa und Naha im Einsatz. Sie wurde von A-Line Ferry 18 Jahre lang bis Oktober 2012 unter japanischer Flagge betrieben und anschließend von einem gleichnamigen Neubau ersetzt. Die sĂŒdkoreanische Chonghaejin Marine Company in Incheon ĂŒbernahm die FĂ€hre 2013 und benannte sie in Sewol um. Das fĂŒr umgerechnet etwa 11,3 Millionen US-Dollar verkaufte Schiff wurde vor seiner Indienststellung in Korea modernisiert und umgebaut. Hierbei erhielt die Sewol auch zusĂ€tzliche Aufbauten fĂŒr mehr Kabinen auf Deck 3, 4 und 5, was die Gesamttonnage um 239 erhöhte. Nach der Abnahme durch das Korean Register of Shipping konnte am 15. MĂ€rz 2013 der Dienst aufgenommen werden.cite-ref-mc-6-1[6]

Bis 2013 hatte das Schiff 52 Kabinen und konnte 804 Passagiere, 90 Pkw und 60 Lkw transportieren. Durch seinen Umbau im MÀrz 2013 wurde die PassagierkapazitÀt auf 960 erhöht. Die Dienstgeschwindigkeit der FÀhre betrug 16,2 Knoten,cite-ref-mt-2-6[2] Die Höchstgeschwindigkeit 20,8 Knoten.cite-ref-7[7]

Die Sewol hatte kein direktes Schwesterschiff, jedoch wurde die 1989 fertiggestellte und seit 2003 ebenfalls fĂŒr die Chonghaejin Marine Company in Dienst stehende Ohamana (ehemals Ferry Akebono) oftmals als Schwesterschiff bezeichnet, da sie ursprĂŒnglich fĂŒr dieselbe Reederei (A-Line Ferry) fuhr und eine Ă€hnliche Bauweise hatte (allerdings ein bisschen kleiner war). Nach dem UnglĂŒck wurde das Schiff aufgrund von Sicherheitsbedenken ausgemustert.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Es kehrte nicht wieder in den Dienst zurĂŒck und ging 2017 zum Abbruch. Auch andere Schiffe der Reederei A-Line Ferry hatten eine zur Sewol sehr Ă€hnliche Bauweise. Eines dieser Schiffe, die 1995 ebenfalls von Hayashikane erbaute Ariake, kenterte im November 2009 bei stĂŒrmischer See. Nach dem Untergang der Sewol wurden Parallelen zu den beiden UnglĂŒcken festgestellt.cite-ref-10[10]

Untergang

Die FĂ€hre, die sich am 16. April 2014 auf dem Weg vom Festland (Incheon) zur sĂŒdlichen Ferieninsel Jejudo befand, kenterte und sank in der NĂ€he der Insel Jindo. FĂŒr die Strecke von Incheon nach Jeju war eine Fahrtzeit von 13 œ Stunden angesetzt. Die geplante Abfahrtszeit in Incheon um 18:30 Uhr (UTC+9) hatte sich am Abend des 15. April bis ca. 21 Uhr verzögert. Der erste Notruf der Sewol ging 12 Stunden spĂ€ter um 08:58 Uhr am Morgen des 16. April bei der zustĂ€ndigen Behörde, dem Jeju Vessel Traffic Services Center (VTS), ein.cite-ref-12[12] Etwa eine halbe Stunde spĂ€ter hatte die FĂ€hre etwa 60° KrĂ€ngung und weitere eineinhalb Stunden spĂ€ter sank sie. Eine Zeitlang ragte noch der vorderste Teil des Rumpfes mit dem Wulstbug aus dem Wasser; dann versank die FĂ€hre komplett.cite-ref-13[13]

An Bord waren 443 Passagiere und 33 Besatzungsmitglieder. Unter den Passagieren befanden sich 325 SchĂŒlercite-ref-14[14] im Alter von 15 und 18 Jahren sowie 15 Lehrer der Danwon High School aus der Stadt Ansan. 185 Tote konnten bis zum 25. April geborgen werden.cite-ref-kbs-25-4-15-0[15] Retten konnten sich 172 Menschen (frĂŒhe Berichte sprachen fĂ€lschlicherweise von 174 Überlebenden),cite-ref-16[16] darunter 20 Besatzungsmitglieder mit dem KapitĂ€n.cite-ref-17[17] Die Passagiere sprangen zum Teil mit Schwimmwesten in das 12 Grad kalte Wasser. Die Überlebenszeit betrĂ€gt bei dieser Wassertemperatur nur wenige Stunden. Viele wurden von herannahenden Booten und der KĂŒstenwache und von Hubschraubern aufgenommen. 117 Personen wurden mit Stand 25. April 2014 noch vermisst.cite-ref-kbs-25-4-15-1[15] In den Tagen nach dem UnglĂŒck wurden teils stark abweichende Zahlen zu den an Bord befindlichen Personen sowie der Zahl der Todesopfer und Überlebenden vermeldet. An Bord befanden sich auch rund 150 Fahrzeuge. Vor Jindo breitete sich am 19. April 2014 ein Ölteppich aus.cite-ref-kbs-19-4-18-0[18]

Der 68-jĂ€hrige KapitĂ€n Lee Joon-seok war die Urlaubsvertretung des eigentlichen KapitĂ€ns und hatte das Schiff offenbar 30 bis 40 Minuten, nachdem es in SchrĂ€glage geraten war, verlassen und konnte sich somit retten.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20] Er entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer. Zum UnglĂŒckszeitpunkt steuerte nicht der KapitĂ€n, sondern die wenig erfahrene 26-jĂ€hrige Dritte Offizierin das Schiff.cite-ref-21[21]cite-ref-ts-haft-22-0[22] Am Morgen des 19. April wurden KapitĂ€n Lee und weitere Besatzungsmitglieder verhaftet.cite-ref-23[23] Die Besatzung hatte die Passagiere nach Absetzen des Notrufs aufgefordert, in ihre Kabinen zurĂŒckzukehren. Die spĂ€ter Geretteten hatten sich, etwa eine halbe Stunde nachdem das Schiff in SchrĂ€glage geraten war, dieser Aufforderung widersetzt.cite-ref-24[24] Von den 46 Rettungsinseln an Bord der Sewol wurde nach sĂŒdkoreanischen Medienberichten offenbar aufgrund der SchrĂ€glage des Schiffes nur eine zu Wasser gelassen.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]

Der 52 Jahre alte stellvertretende Schulleiter Kang Min-kyu der Danwon High School beging nach seiner Rettung auf der Insel Jindo Suizid durch ErhÀngen.cite-ref-27[27]

169 Boote und Schiffe beteiligten sich am Tag des UnglĂŒcks an den Rettungs- und Sicherungsmaßnahmen.cite-ref-28[28]

Am 18. April 2014 wurden drei HebesĂ€cke zur Stabilisierung am Bug der Sewol angebracht, damit dieser nicht auf den Grund sinkt.cite-ref-29[29]cite-ref-30[30] Am folgenden Tag erreichten drei SchwimmkrĂ€ne die GewĂ€sser der UnglĂŒcksstelle.cite-ref-31[31]

Die Rettungsmaßnahmen, darunter insbesondere der Einsatz von Rettungstauchern, waren durch die starken Gezeitenströmungen auf ein Zeitfenster von ±œ Stunde um das Stauwasser herum beschrĂ€nkt und durch die hohe TrĂŒbung des Wassers schwierig.cite-ref-32[32] Die Wassertiefe am UnglĂŒcksort betrĂ€gt knapp 40 Meter. Insgesamt wurden 187 Menschen in den Tagen nach dem UnglĂŒck tot geborgen. 115 galten zunĂ€chst als offiziell vermisst.cite-ref-33[33] Im Mai 2017 galten noch immer 9 Menschen als vermisst.cite-ref-34[34] Bis November 2017 reduzierte sich diese Zahl auf 5 Vermisste, deren sterbliche Überreste nicht im geborgenen Wrack gefunden werden konnten. Im selben Monat fand fĂŒr die vermutlich nicht mehr auffindbaren Todesopfer eine symbolische Beerdigung in Ansan statt.cite-ref-35[35] Insgesamt forderte das UnglĂŒck damit 304 Todesopfer,cite-ref-shin-36-0[36] darunter alleine 250 SchĂŒler der Danwon High School.cite-ref-37[37]

Vermutungen ĂŒber die Ursache des UnglĂŒcks

Die Ursache des UnglĂŒcks ist derzeit (Stand 2021) noch nicht klar. Ein Kentern des ĂŒberladenen Schiffes aufgrund einer abrupten KursĂ€nderung scheint am wahrscheinlichsten.cite-ref-shin-36-1[36] Anfangs wurde berichtet, dass sich aus den Navigationsdaten ergebe, dass die FĂ€hre zur UnglĂŒckszeit kurz hintereinander zwei starke KursĂ€nderungen vorgenommen hatte, die erste etwa zehn Minuten vor dem ersten Notruf um 8:48 Uhr Ortszeit um circa 80°, dann vier Minuten spĂ€ter um weitere circa 130°.cite-ref-38[38] Eine planmĂ€ĂŸige KursĂ€nderung war dabei zur UnglĂŒckszeit vorgesehen.cite-ref-ts-haft-22-1[22] Spekuliert wurde in diesem Zusammenhang ĂŒber ein Verrutschen der Ladung, wodurch das Schiff relativ schnell starke Schlagseite bekommen haben könnte.cite-ref-39[39] Das Ministerium fĂŒr Meeresangelegenheiten teilte am 21. April mit, dass nach der Wiederherstellung von Daten zur Bestimmung der Schiffsposition davon ausgegangen wird, dass die KursĂ€nderungen nicht so stark waren wie zuvor angenommen;cite-ref-40[40] am 24. April wurde jedoch berichtet, dass das Rudersystem der Sewol seit mehreren Tagen defekt gewesen und so beim UnglĂŒck aus einer leichten Kurskorrektur ein starkes Ruderlegen geworden sei.cite-ref-41[41] So behauptete der diensthabende Steuermann in einem Fernsehinterview am 19. April 2014, dass sich das Schiff bei der vom dritten Offizier angeordneten KursĂ€nderung weitaus mehr als sonst ĂŒblich gedreht hĂ€tte.cite-ref-42[42] Die Möglichkeit einer Kollision mit einem Fels wurde fĂŒr unwahrscheinlich gehaltencite-ref-43[43] und konnte nach der Bergung des Schiffes aufgrund des unbeschĂ€digten Rumpfes gĂ€nzlich ausgeschlossen werden.

LadekapazitĂ€t und Überladung

Nach Angaben eines AP-Berichtes vom 4. Mai 2014cite-ref-44[44] fuhr die Sewol seit dem Umbau regelmĂ€ĂŸig mit mehr Ladung als in der Zulassung erlaubt. Das koreanische Schiffsregister, zustĂ€ndig fĂŒr die Ladegrenzen, untersuchte offenbar im FrĂŒhjahr 2013 die umgebaute Sewol und reduzierte entsprechend den Dokumenten die zulĂ€ssige Ladung auf 987 Tonnen. Diese Information wurde zwar dem Schiffseigner Chonghaejin mitgeteilt, nicht aber der KĂŒstenwache und der koreanischen Schiffsvereinigung. Chonghaejin meldete ihrerseits der Schiffsvereinigung die etwa vierfache KapazitĂ€t von 3963 Tonnen. Das Schiff fuhr in den 13 Monaten nach dem Umbau „routinemĂ€ĂŸig ĂŒberladen“, also mit mehr als 987 Tonnen beladen, in der Mehrzahl der ÜberladungsfĂ€lle mit ĂŒber 2000 Tonnen. Vor dem Untergang soll die Sewol mit ĂŒber 3600 Tonnen beladen gewesen sein, mehr als sonst jemals zuvor laut Unterlagen.

Laut Meldungen einer koreanischen Nachrichtenagentur hatte das Schiff am UnglĂŒckstag nur ca. 30 % des von der Klassifikationsgesellschaft vorgeschriebenen Ballastwassers an Bord.cite-ref-45[45] Der am UnglĂŒckstag beurlaubte, eigentliche KapitĂ€n des Schiffes erklĂ€rte der Staatsanwaltschaft, dass er seit dem Umbau Bedenken ĂŒber die StabilitĂ€t des Schiffes hatte und dies auch der Reederei gemeldet habe, darauf sei jedoch keine Reaktion erfolgt.cite-ref-46[46] Das Schiff sei demnach im Anschluss an eine abrupte KursĂ€nderung gekentert und gesunken.cite-ref-47[47]

Bergung

Etwa zwei Wochen nach dem Untergang waren 212 Insassen im Wrack oder in der Umgebung geborgen; 92 Menschen wurden noch vermisst.cite-ref-48[48] Etwa drei und sieben Wochen nach dem Untergang starben zwei Taucher bei den Bergungsarbeiten.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50] Um die FĂ€hre wurde ein Fangnetz verlegt, um ein Abdriften der noch nicht geborgenen Leichen zu verhindern.

Eine Hebung des Schiffs selbst wurde angekĂŒndigt. Die Vorbereitungen vor Ort begannen im August 2015.cite-ref-51[51] Im Januar 2016 war die erste Phase der Bergung mit dem Abpumpen von 954 Kubikmetern ölverschmutzten Wassers und dem Anbringen von Sicherheitsnetzen an 136 Fenstern und 16 TĂŒren beendet.cite-ref-52[52]

Am 12. Juni 2016 wurde mit dem Anheben des Schiffes begonnen. ZunÀchst wurde der Bug mit Hilfe von SchwimmkrÀnen angehoben und danach 18 Hebearme darunter angebracht. Man erhoffte sich zunÀchst, das Schiff Ende Juli 2016 wieder an die OberflÀche zu holen.cite-ref-53[53]

Am 23. MĂ€rz 2017 wurde das auf der Backbordseite liegende Wrack gehobencite-ref-54[54] und kurz darauf zum Abtransport auf den Halbtaucher Dockwise White Marlin gehievt,cite-ref-55[55] der es nach Mokpo brachte. Dort wurde das Wrack aufgerichtet und von der Firma ALE zu einem vorlĂ€ufigen Standort verbracht, an dem es samt der daneben abgestellten Wracks der bei der Havarie an Bord befindlichen Fahrzeuge verblieb (Stand April 2020).cite-ref-56[56] Von der Firma ALE wurde der Landtransport auf Selbstfahrern (SPMT) abgewickelt. 600 Achslinien und – samt Schlamm – 17.000 t Last werden als zwei Weltrekorde fĂŒr Transport per SPMT bezeichnet.cite-ref-57[57]

Die Fahrzeuge und TrĂŒmmer aus dem Wrack der Sewol wurden zu einem spĂ€teren Zeitpunkt entfernt. Das Schiff selbst befindet sich weiterhin in Mokpo und wird dort restauriert. Es soll als Museum bzw. Denkmal dauerhaft erhalten bleiben.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]

Reaktionen und Konsequenzen

Erste Reaktionen

Kurz nach dem UnglĂŒck kam es zu Besuchen der sĂŒdkoreanischen PrĂ€sidentin und des Premierministers bei Opfern und Hinterbliebenen. Die Politiker gerieten dabei und danach in die öffentliche Kritik.cite-ref-60[60] Die sĂŒdkoreanische Regierung erklĂ€rte am 19. April die Stadt Ansan und den Landkreis Jindo zu Sonderkatastrophengebieten, um spezielle finanzielle UnterstĂŒtzungsmaßnahmen gewĂ€hren zu können.cite-ref-61[61]cite-ref-62[62]

Am 20. April machten sich von den etwa 500 Angehörigen, die in einer Sporthalle auf Jindo untergebracht waren, etwa 100 zu einem Protestzug Richtung Seoul auf. In der 420 Kilometer entfernten Hauptstadt wollten sie zum Blauen Haus ziehen und ihre Empörung kundtun.cite-ref-63[63] Dabei wurden SprĂŒche skandiert, wie: „Die Regierung ist der Mörder“. Als sie die Insel ĂŒber die Jindo-BrĂŒcke verlassen wollten, wurden sie von 200 Polizisten zur Umkehr gezwungen.cite-ref-64[64] Es folgte ein zweistĂŒndiges Sit-in.cite-ref-65[65]

„Das Verhalten des KapitĂ€ns und mancher Besatzungsmitglieder ist fĂŒr den gesunden Menschenverstand unfassbar“, sagte die sĂŒdkoreanische PrĂ€sidentin Park Geun-hye der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge am 21. April 2014 vor Mitarbeitern ihres Stabs. Es sei „wie eine Mordtat“ gewesen.cite-ref-66[66] Sie kĂŒndigte an, dass das Verhalten aller Beteiligter, angefangen von den Schiffseignern ĂŒber die Inspektoren bis hin zur Schiffsbesatzung, untersucht werde und die Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden.cite-ref-67[67]

Nachdem die Reaktion der Regierung SĂŒdkoreas auf das UnglĂŒck in massive Kritik geraten war, bot Premierminister Jung Hong-won am 27. April 2014 seinen RĂŒcktritt an. StaatsprĂ€sidentin Park Geun-hye nahm diesen an, erklĂ€rte aber, er solle im Amt bleiben, bis die Bergung beendet sei.cite-ref-68[68]

Am 11. Mai entzog die Regierung dem FĂ€hrunternehmen die Lizenz fĂŒr die Strecke Incheon – Jeju mit der BegrĂŒndung, dass massiv gegen Sicherheitsbestimmungen verstoßen worden sei. Die Reederei erklĂ€rte, dass sie Lizenzen fĂŒr weitere Strecken freiwillig zurĂŒckgeben werde.cite-ref-69[69]

Nach dem RĂŒcktritt von MinisterprĂ€sident Jung Hong-won entschuldigte sich PrĂ€sidentin Park Geun Hye erneut fĂŒr den ungenĂŒgenden Rettungsverlauf und kĂŒndigte die Nominierung eines Nachfolgers an. Lee Wan-koo trat das Amt am 16. Februar 2015 an.cite-ref-70[70]

Festnahmen

Am 26. April 2014 wurden auch die letzten vier Besatzungsmitglieder festgenommen, nun waren alle 15 ĂŒberlebenden (leitenden) Besatzungsmitglieder inhaftiert.cite-ref-71[71]

Am 8. Mai 2014 wurde berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Kim Han Sik, den Chef der Reederei Chonghaejin Marine, festgenommen hat. Er steht im Verdacht, die Überladung der FĂ€hre angeordnet oder zumindest davon gewusst zu haben.cite-ref-72[72]

Der Eigner der Reederei, der 73-jĂ€hrige Yoo Byung-Eun, tauchte im Mai 2014 unter und suchte offenbar vergeblich in Frankreich und Kanada um Asyl wegen politischer und religiöser Verfolgung an.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74] Am 12. Juni 2014 wurde auf einem Feld in Suncheon, 300 km sĂŒdlich von Seoul, die stark verweste Leiche von Yoo Byung-Eun gefunden.cite-ref-75[75]

Verfahren

Am 15. Mai 2014 wurden der KapitĂ€n und drei weitere Besatzungsmitglieder des Mordes angeklagt; in SĂŒdkorea gibt es auch einen Straftatbestand des Mordes durch Unterlassen.cite-ref-76[76] Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, das Schiff mit den ersten Booten der Coast Guard verlassen zu haben, ohne sich um die Passagiere und um verletzte Besatzungsmitglieder zu kĂŒmmern.

Am 10. Juni 2014 begann vor Gericht der Stadt Gwangju der Prozess gegen KapitĂ€n Lee Joon Seok und 14 weitere Angeklagte. Ihm und drei seiner Offiziere drohte im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Vor dem GerichtsgebĂ€ude und im Gerichtssaal demonstrierten Angehörige, woraufhin einer der drei Richter mit einer Verfahrens-Aussetzung drohte. Nur wenige AnwĂ€lte waren bereit, die Verteidigung zu ĂŒbernehmen, weshalb den Beschuldigten mehrere Pflichtverteidiger gestellt wurden. Staatsanwalt Park Jae Eok forderte zur Prozess-Eröffnung ein „hartes Urteil“, dies sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem „sichereren Land“.cite-ref-77[77]

Am 7. Oktober 2014 kĂŒndigte die oberste Staatsanwaltschaft von SĂŒdkorea an, dass sie 154 Personen anklagen werde. Der Untergang sei auf fehlerhaft gesicherte Ladung, einen illegalen Umbau des Schiffes zur Erhöhung der TransportkapazitĂ€t sowie grobe Navigationsfehler der Besatzung zurĂŒckzufĂŒhren; die Tragweite des UnglĂŒcks sei durch eine fehlerhafte Reaktion der KĂŒstenwache verstĂ€rkt worden. Auch der KapitĂ€n eines KĂŒstenwachtschiffes sowie 13 Mitglieder des Jindo vessel traffic service wurden angeklagt.cite-ref-78[78] Die Anklage forderte die Todesstrafe fĂŒr den KapitĂ€n.cite-ref-79[79]

Am 11. November 2014 wurden der KapitĂ€n und drei weitere Besatzungsmitglieder vom Vorwurf des Totschlages freigesprochen. Stattdessen war der KapitĂ€n zunĂ€chst wegen FahrlĂ€ssigkeit und des ZurĂŒcklassens der Passagiere schuldig gesprochen worden. Er erhielt eine 36-jĂ€hrige Haftstrafe.cite-ref-80[80] Seine Besatzungsmitglieder wurden zu Haftstrafen von jeweils 15, 20 und 30 Jahren verurteilt.

Am 28. April 2015 hat ein Berufungsgericht die Strafe gegen den KapitĂ€n zu einer lebenslangen Haft erhöht. Die Strafe gegen den KapitĂ€n sei angehoben worden, weil das Gericht eine Verurteilung wegen Mordes fĂŒr angemessen betrachtet.cite-ref-81[81] Die beim UnglĂŒck diensthabenden Mitarbeiter der KĂŒstenwache wurden im Februar 2021 von allen VorwĂŒrfen freigesprochen.cite-ref-82[82]

Rezeption in Kunst und Kultur

Filme

‱ 2014: The Truth Shall Not Sink with Sewol (Orig. 닀읎ëč™ëČš Diving Bell). Dokumentarfilm von Lee Sang-ho und Ahn Hae-ryong
‱ 2017: Sewol – Die gelbe Zeit. Dokumentarfilm von Minsu Park.cite-ref-83[83]
‱ 2017: After the Sewol. Dokumentarfilm von Matthew Root und Neil P. George.
‱ 2018: In the Absence (ë¶€ìžŹì˜ êž°ì–” Bujae-ui Gieok). Dokumentarfilm von Yi Seung-jun, bei der Oscarverleihung 2020 als bester Dokumentar-Kurzfilm nominiert.cite-ref-84[84]
‱ 2019: Birthday (생음 Saengil). Spielfilm von Lee Jong-un.
‱ 2023: K-Family Affairs (애ꔭ소녀). Dokumentarfilm von Nam Arum.

BĂŒhnenstĂŒcke

‱ 2015: Before After. TheaterstĂŒck von Kyungsung Lee, deutsche ErstauffĂŒhrung 2018.cite-ref-85[85]

Musik

‱ 2017: Spring Day. Lied der sĂŒdkoreanischen Boy-Band BTS aus dem Album „You never walk alone“.
‱ 2016: They Keep Silence. Lied der sĂŒdkoreanischen Postrockband Jambinai aus dem Album „a Hermitage“.

Literatur

‱ Jae-Jung Suh, Mikyoung Kim: Challenges of Modernization and Governance in South Korea: The Sinking of the Sewol and Its Causes. Springer Singapore, Singapur 2017, ISBN 978-981-10-4022-1.

Weblinks

Commons

:

Sewol

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Eintrag zur Sewol auf marinetraffic.com (englisch)
‱ Letzte AIS-Position auf OpenSeaMapcite-ref-86[86]
‱ Transkription der letzten FunksprĂŒche der Sewol auf cnn.com (englisch)

Einzelnachweise und Fußnoten

cite-note-maritime-connector-11. 9105205 Sewol (Memento vom 16. April 2014 im Internet Archive), maritime-connector.com.
cite-note-mt-22. Sewol. In: MarineTraffic. Abgerufen am 27. Juli 2021.
cite-note-32. Sewol – IMO 9105205. In: shipspotting.com. 16. April 2020, abgerufen am 28. Juli 2021.
cite-note-43. South Korea ferry owner ‘ignored’ warnings. In: BBC News. 30. April 2014, abgerufen am 28. Juli 2021.
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